Bloginitiative
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Gelungene Integration

Cafeteria im Clemenshospital

 

Ich warte auf den Geistlichen, der mir erklären soll, was ich bei meiner Lesung am ersten Adventssontag in der Kapelle zu beachten habe.

Einstein geht derweil mit Flo durch den Krankenhauspark.

Zwei Tische weiter ein Pärchen mit zwei kleinen Kindern, ein Mädchen mit schwarz-krausem Haar, etwa ein Jahr jung, ein zweijähriger Junge, ebenfalls schwarzes Haar. Der Vater, Ausländer, etwa 35, hilft seiner Frau, Deutsche, ebenso alt, die Tasche mit den Utensilien für ihre Kinder zu schließen.

Ihre Blicke kreuzen sich, wie liebenswerte Streicheleinheiten, keine Anzeichen von Unterdrückung der Frau, von zur Schau gestellter Ungleichwertigkeit eines Machos zu seiner Untergebenen.

Fröhlich betrachten sie ihre aktiven Kinder und sorgen dafür, dass sie nicht lärmend durch die Cafeteria toben.

Als ich den beiden mich fixierenden Kindern zulächle und ihnen signalisiere, dass sie ruhig herumlaufen können, geht’s im Stakkato an mir vorbei in den nächsten Raum.

Vater hinterher, bemüht, seine Kinder nicht aus den Augen zu verlieren.

Mutter sieht seelenruhig zu in der Gewissheit, dass er das im Griff hat.

Vater kommt zurück, mit ihm die Kinder.

Ich habe ein tolles Gefühl in Richtung Integration. Solche Mitbürger würde ich begrüßen, weil sie meine Vorstellung von einer gelungenen Integration und einer positiven Vermischung beider Kulturen als Familie bestätigen, augenscheinlich.

Wirklich? Mein Misstrauen zwingt mich, nach zu haken.

„Entschuldigung“, wende ich mich an den Vater, „sind Sie Syrer und Moslem?“ Mein Ton enthält positive Erwartungen. Er antwortet:

„Ja, Moslem, aber Albaner!“

„Ich habe Sie beobachtet. Wie Sie mit ihrer Frau und ihren Kindern umgehen, das tut richtig gut und ist schön!“

Er lächelt und folgt seinen Sprösslingen.

Bevor ich mir albern vorkommen kann, kehrt er um und sagt mit leuchtenden Augen:

„Das sehen aber nicht alle so, danke!“

 

Liege ich richtig mit meiner Kritik am Islam, stelle ich mir die Frage, mit meiner Ablehnung dieser Religion, die laut Koran Andersgläubige verfolgt, uns Christen als schlimmsten Feind des Islam gar töten soll?

Führen diese beiden Erwachsenen mit ihren Kindern meine Vorstellungen einer menschenverachtenden Religion ad absurdum?

Und mein Entschluss verstärkt sich, für diejenigen Muslime einzutreten, die sich von Gewalt und Unterdrückung distanzieren und einfach nur mit ihrer Familie in Frieden leben wollen.

 

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© Bloginitiative Peter Weidlich