Bloginitiative
Bloginitiative

Aus dem Nest gefallen

Rettung der Schwalben

 

Unsere Hausschwalben (Mehlschwalben) kamen jedes Jahr, statteten ihr Nest direkt unter dem Sparren an der Hauswand wieder neu mit Federn aus, festigten ihre Höhle mit feuchter Erde.

Die Schwalbenmutti legte ihre kleinen Eier ab, begann zu brüten. 

Der Haufen Vogelkot unterhalb des Nestes  neben dem Fallrohr wurde langsam immer größer. Ich stellte eine Auffangkiste neben die Regenrinne, die Flo jeden Morgen, bevor sie sich ans Zeitungslesen machte, ausgiebig beschnupperte. Vater Mehlschwalbe versorgte sein brütendes Frauchen mit Fliegen, Würmern, Sonnenblumenkernen…

Und dann auf einmal flogen beide los, fingen jede Menge Insekten, landeten mit einem eleganten Bogen an der Nestkante und stopften gierige Schnäbel.

Das Zwitschern wurde lauter, der Kot-Berg immer größer, die Alten kamen tagsüber kaum zur Ruhe. 

 

Heute Morgen trifft mich der Schlag: Flo sprinted aus der Haustür zur Holzkiste, sichtlich aufgeregt.

Das gesamte Nest liegt neben der unten abgestellten  Holzkiste. Zuerst überlege ich, dass die Kleinen nun flügge seien und das Nest nicht mehr brauchen würden. Unsinn, fällt mir ein, sie kommen im nächsten Jahr ja wieder!

Flöchen hat die Situation längst erkannt. Stocksteif, fast unbeweglich starrt sie auf zwei graudunkle Häufchen.

Beim genauen Inspizieren entdecke ich zwei kleine Schwalben neben der Regenrinne, das eine spärlich befiedert, das andere noch splitternackt. Beide leben.

Behutsam nehme ich sie auf. Ein Kleines flattert ungeschickt in die Hecke von Nachbars Garten. Das andere atmet aufgeregt. Ich spüre seinen wilden Herzschlag. Es kann nicht flüchten. Behutsam setze ich es neben die Nestreste. Mein harter Befehl "Stopp" zwingt Flo, sich augenblicklich auf den Po zu setzen und abzuwarten, was ihr Herrchen jetzt tun würde.

Was kann ich tun, wie helfen?

Im Abstellraum finde ich ein kleines Weidenkörbchen, das als Ersatz dienen könnte. Ich nehme die Leiter mit. Sie reicht aber nicht bis hinauf.

Dann sehe ich einige Häuser weiter zwei Handwerker, die damit beschäftigt sind, eine Terrasse neu anzulegen. Ich eile zu ihnen, Flo folgt mir freudig, schildere die Situation und bitte um Hilfe.

Sofort werfen sie ihren Hublader an, schieben die Gabel unter eine Palette und folgen mir zu den Schwalben. 

Janosch stellt sich auf die Palette, Alexander hebt ihn vorsichtig unter die Dachsparren, sodass er das Weidenkörbchen annageln kann. Er legt die Reste des Schwalbennestes mit den Federn in das Körbchen und bettet ganz behutsam das Kleine in die neue Höhle.

„Lebt es noch“, frage ich hoffend. „Ja“, antwortet Janosch lächelnd, „es hat sogar gepiept!“

 

Wir, Flo und ich, suchen die nähere Umgebung nach dem zweiten Vögelchen ab. Nichts!

 

Keine halbe Stunde später beobachte  ich, wie die Schwalben-Eltern  das neue Nest anfliegen. Wieder eine halbe Stunde später traue ich meinen Augen nicht:

Zwei Schwalbenköpfchen recken sich aus dem Nest, die Schnäbel weit geöffnet, um die Leckerbissen aufnehmen zu können.

 

Es ist wirklich keine Einbildung: Sobald wir vor die Haustür treten, Flo stets neben mir, und den fütternden Schwalben-Eltern zuschauen, fliegen sie zielgerichtet direkt über unsere Köpfe hinweg zu ihrem stets hungrigen Nachwuchs. Flo sitzt auf ihrem Po und reckt ihren Hals nach oben, die Vögel beobachtend.

Ich glaube, dass die Vogeleltern sich bedanken wollen.

Vielleicht irre ich mich.

Auch Janosch und Alexander haben die Flugkünste gesehen und die Jungen mit ihren aufgesperrten Schnäbeln.

Wir alle vier sind glücklich, die Schwalben sicherlich auch, genau wie Gunthi, als sie von der Rettung erfährt!

 

 

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Bloginitiative Peter Weidlich